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Hat Mehrweg mehr Transportweg als Einweg? Wie Worte über Tatsachen täuschen

Einweg hat mehr Transportweg als Mehrweg

Einweg hat mehr Transportweg als Mehrweg

Mehrweg bedeutet nicht mehr Transportweg! Pfandflaschen und -gläser zirkulieren regional und kommen ohne Leerfahrten aus. Die Entsorgung von Einwegverpackungen setzt zusätzliches CO2 sowie Giftstoffe und Feinstaub frei.

Wie Wörter über Tatsachen hinwegtäuschen

Was können Verbraucher:innen tun, um mit ihrem Einkauf die Umwelt möglichst wenig zu belasten? Die häufigste Antwort lautet: „Produkte in Mehrwegverpackungen kaufen.“ Doch Einige sehen beim Einweg-Mehrweg-Vergleich auch vermeintliche Nachteile des Pfandgutes in der CO2-Bilanz.

Ein hierfür gern bemühtes Argument unterstellt einen „zusätzlichen Weg“, den Mehrweg angeblich nehmen soll. Zugegeben, der Name Mehrweg ist etwas irreführend. Er enthält eine Botschaft, die in zwei Richtungen interpretierbar ist. Fälschlicherweise kann das Mehr auch auf den Weg bezogen werden, den eine Mehrwegverpackung zurücklegt. Gemeint ist aber deren Lebenszyklus, bei dem der Weg der Verwendung mehrmals durchlaufen wird. Damit geht kein höherer Transportbedarf und erst recht keine höhere CO2-Belastung einher als bei Einwegverpackungen. Das Missverständnis ist leicht aufzuklären.

Weg von Einwegplastik im Vergleich zu Mehrweg

Müllverwertung mit langen Strecken

Auch eine Einwegverpackung legt mehr als einen Weg zurück. Die CO2-Emission des Kunststoffs fängt nicht im Supermarkt an und endet nicht in der Abfalltonne. Auch die Müllabfuhr legt einige Kilometer zurück. Ob Stop-And-Go in der Innenstadt oder lange Distanzen über die Autobahn in ländlichen Regionen; weite Wege für Abholung, das Eigengewicht des Müllautos und selbst die Fahrweise beim Transport wirken auf die Bilanz ein. So wird vergleichbar wenig Masse an Müll mit viel Aufwand durch die Gegend gefahren.

Wenn die Abfuhr die Verpackungen nicht über den Restmüll direkt zur Müllverbrennungsanlage bringt, landen sie erst einmal in der Sortieranlage. Über endlose Förderbändern laufend, wird dort maschinell und auch von Hand nach Materialien getrennt. Diese werden dann per LKW zu den Abnehmern für die Recyclingstoffe gefahren, noch ein zusätzlicher Weg. Was sich nicht anders verwerten lässt, kommt ebenfalls in die Verbrennung.

Dass nicht unwesentliche Mengen an deutschem Müll illegal in der Natur entsorgt werden, fließt in die Erfolgsmeldungen über die angebliche hohe Wiederverwertungsquote erst gar nicht ein. Außerdem geht der Müllexport fleißig weiter.

Hongkong und die Niederlande sind Umschlagplätze für Plastikmüll. Das erklärt die hohe Platzierung. Das heißt der Großteil unseres Plastikmülls landet in Ländern die keine oder sehr niedrige Umweltstandards haben. So gelangt viel Plastik in die Natur oder wird verbrannt. Und werden dafür um die halbe Welt transportiert.

Weltkarte mit Verteilung deutschen Plastikmüll-Exporten

Mehrweg nutzt bestehende LKW-Fahrten

Mehrweg nutzt die notwendigen Transportwege effizient. Es gibt keine Leerfahrten für den Rücktransport: Wenn der Supermarkt mit Waren im Pfandglas beliefert wird, nimmt das Fahrzeug das Leergut einfach mit. Dabei entsteht kein zusätzlicher Fahrweg. Das gleiche Prinzip gilt, wenn der Großhandel oder Logistikzentren von den Herstellern beliefert werden oder die Kunden zum Einkaufen fahren. Stets werden in die eine Richtung volle Gläser entgegengenommen und in die andere Richtung leere Gläser zurückgegeben. Mehrweg verursacht also nicht mehr Transportweg.

Erst wird das Plastik im globalen Süden billig hergestellt. Dann transportiert man es nach Europa, um es kurz als Verpackung zu verwenden und anschließend wird es wieder um die halbe Welt geschifft, wird verbrannt oder landet im Ozean. Mehrweggläser hingegen zirkulieren regional.

Leerfahrten und zusätzliche Einwegverpackungen

Anders bei Einwegprodukten. Der LKW beliefert den Supermarkt und fährt anschließend leer zur Lagerhalle zurück. Damit das Müllauto den Einwegverpackungsmüll einsammeln kann, fährt es zunächst unbeladen zu seinem Einsatzort. Genauso wie der LKW, der die Ware vom Produktionsstandort zu den Verteilungslagern transportiert. Und auch die Verpackung selbst muss immer wieder neu bei den Lebensmittelproduzenten angeliefert werden.

Das Plastik selbst, lässt sich zumindest stark komprimieren. Anders verhält es sich mit der Umverpackung, auch Transportverpackung genannt. Denn die Produkte, die du im Ladenregal siehst, werden ebenfalls mit einer Einwegverpackung im Supermarkt angeliefert. Standard sind sogenannte Verpackungseinheiten (VPE), die jeweils sechs einwegverpackte Produkte enthalten. Das ist die kleinstmögliche Menge, die ein Supermarkt bestellen kann. Diese VPEs bestehen fast immer aus Einwegpappe. Die kann nicht komprimiert zur Lebensmittelproduktion geliefert werden, sondern wird von riesigen LKWs mit hohem Eigengewicht auf unzähligen Paletten transportiert. In der Fachsprache der Logistik gibt es hierfür die Bezeichnungen Jumbo oder Volumentransport. Es bedeutet, dass der Laster mit verhältnismäßig wenig Ladungsgewicht unterwegs ist.

Fürs Papier-Recycling müssen die Transportverpackungen anschließend ebenfalls wieder abgeholt werden. Noch ein zusätzlich anfallender Weg. Und auch hierfür fährt der LKW zunächst leer an, um den Pappmüll laden zu können.

Vergleich Transportweg Einweg-Verpackung zu Mehrweg

Warum wir ein offenes Pfandsystem nutzen

Selbstverständlich sind auch bestehende Pfandsysteme stets zu verbessern und der Teufel steckt oft im Detail. Die Nachhaltigkeit kann sich von Produkt zu Produkt stark unterscheiden. Das lässt sich gut am Beispiel verschiedener Getränkeflaschen erklären.

Gehört die Form der Flasche zum visuellen Branding eines bestimmten Markenherstellers, können solche Flaschen auch nur am Standort des Herstellers neu abgefüllt werden. Also geht zum Beispiel eine Flensburger-Flasche immer zur Flensburgbrauerei zurück, egal wie weit die Entfernung zum Pfandautomaten ist. Außerdem kommen Wege bei der Auslieferung von den Herstellern der extra angefertigten Flaschen hinzu. Beide Extrawege legen auch die entsprechenden Kästen zurück. Leider wird mit solchen Flaschenbrandings profitorientiertes Marketing über die Interessen der Umwelt gestellt.

Im Unterschied dazu gibt es offene Pfandsysteme, die sogenannten Poolflaschen in Umlauf bringen. Mehrere Unternehmen nutzen dieselben Flaschen zur Abfüllung ihrer Produkte. Poolflaschen können praktisch in jedem Super- oder Getränkemarkt zurückgeben werden. Von dort aus geht es über die Anlieferung der Ware wieder zurück zum Logistikzentrum oder Großhändler und über dessen Belieferung zum nächstgelegenen Abfüller. Das verkürzt Transportwege enorm, verringert die CO2-Emissionen und entlastet die Straßen von Schwerlast.

Das bekannteste Beispiel für Poolflaschen in Deutschland sind sicherlich die Mineralwasserflaschen der Genossenschaft Deutsche Brunnen. Aber auch das von Unverpackt für alle verwendeten MMP-Glasbehälter gehören zu einem Poolsystem.

Mehrweg zirkuliert regional

Einwegplastik legt also nicht nur weite Strecken zurück. Es ist auch direkt für zahlreiche Umweltprobleme verantwortlich. Mehrwegverpackungen hingegen zirkulieren in Kreislaufwirtschaft zwischen Herstellern und Händlern regional. Bestehende Probleme mit Pfandsystemen sind lösbar. Die Probleme mit Plastik werden größer und vielseitiger.

 

Fazit

Einweg müllt den Planeten zu und lässt dabei weite Wege hinter sich. Mehrweg nicht! Es kann über die Anlieferung immer wieder mit zurückgeführt werden, so entstehen keine Leer-Touren. Und die Materialien werden nicht nur einmal, sondern mehrmals verwendet.

 

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Videodoku zu Das Problem mit der Einwegpappe

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